Literatur
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Die Texte Klaus Steintals (1949-1968) handeln vom Tod. Sie dokumentieren den eigenen Erfahrungsprozeß existenziellen Verschwindens und sind damit von bloßen belletristischen Gedankenspielen weit entfernt. Klaus Steintal wußte, worüber er schrieb. Er starb, kaum daß er sein Manuskript zu einem provisorischen Abschluß gebracht hatte, nach einem von ihm verursachten schweren Verkehrsunfall in den Trümmern seines Wagens.

Klaus Steintal (Pseud.). „Er starb aus freiem Entschluß.“ Ein Schriftwechsel mit Nekropolis. Verlagsgesellschaft Greno, Obertshausen 1976.


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Im Jahre 217 nach der von den Überlebenden „GROSSE VEREINFACHUNG“ genannten nuklearen Katastrophe publiziert der Hofdichter Alraych einen alten Text mit dem Titel DIES CANIS oder HIRNHUNDSTAGE. Dieser Text soll nach seinen Ausführungen aus den 70er Jahren unseres Jahrhunderts stammen, ist uns allerdings nur in eben der Alraych-Ausgabe selbst „überliefert“. Wie dieser „Tradierung“ aus der Vergangenheit erfolgte, wird für uns wohl auf immer ein Rätsel bleiben.

Wortkadavericon oder Kleine thermonukleare Versschule für jedermann. Literarischer Verlag Braun, Köln und Leverkusen 1977.


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„Diese Miniaturen beschreiben eine Welt, in der der Mensch zum Fossil, zum Objekt unter Objekten geworden ist. Die äußerste denkbare Katastrophe ist vorüber – und mit ihr die Kontinuität menschlichen Leidens. Gegenüber einer ‚Nachgeschichte‘, die ihr Subjekt verloren hat, verstummt die Anthropozentrik eines menschentümelnden Humanismus. Nicht so eine ANTHROPOFUGALE Kunst.“

Nachgedichte. Miniaturen aus der Menschenleere. Verlag Homann & Wehr, Essen 1980.


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Steintal, Spezialist für zivilen Bevölkerungsschutz, wird auf dem Weg zum Büro einziger Zeuge eines tragischen Unfalls, unterläßt jegliche Hilfeleistung und verläßt den Unfallort so wie er sich ihm näherte, ausgebrannt und mit barbarischer Gelassenheit. Der verkommene Park hinter seinem Haus – die Nachbarschaft nennt ihn spitzfindig „Steintals Vandalenpark“ – symbolisiert vortrefflich das Innenleben des Spezialisten, der Großes plant, nämlich die Bewältigung der Apokalypse, aber die kleinen Hürden nicht zu nehmen weiß.

Steintals Vandalenpark. Erzählung. Machwerk Verlag, Siegen 1981.


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„Erst jenseits der Entrüstung über das Unvermeidliche, nach dem inneren Toben über die Kriegshetzer, Massenmörder und politischen Zuhälter des kollektiven Untergangs, hinter dem wahnwitzigen Durchleben aller jener Tode, die wir füreinander anrichten, beginnt das kognitive Irresein, die Psychose wirklichen Erkennens, das schluchzende Auftauchen aus der blutigen Normalität, das anthropofugale Frohlocken über die morgige menschenleere Welt.“

Hirnschlag. Aphorismen – Abtestate – Berserkasmen. Herodot, Göttingen 1984.


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Es gibt eine Ästhetik des Nicht-Menschlichen, eine Schönheit der Menschenleere, die die plärrende Ichsucht unserer Gattung seit einigen Jahrhunderten nicht mehr wahrhaben will, wenngleich sie der (militär-)technologische Fortschritt endlich in ihrem radikalen Anspruch für uns verfügbar gemacht hat. Es ist an der Zeit, diese Ästhetik der Verdinglichung zu vermitteln, damit wir wissen, wofür wir sterben.

Nachgedichte. Miniaturen aus der Menschenleere. Herodot, Göttingen 1985.


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Ein Science-fiction-Roman vom Autor des „Untiers“ – eine bitterböse satirische Parabel mit Rundumschlägen auf gegenwärtige Wirklichkeit, der atomare Untergang als Vollendung der sogenannten Intelligenz auf dem Planeten Erde.

Das Glück von OmB’assa. Phantastischer Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1985.


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„Schwedentrunk“ ist eine Bezeichnung für eine Foltermethode: Im Dreißigjährigen Krieg flößte man den Opfern Gülle ein, um sie zum Reden zu bringen. Horstmanns Gedichte sprechen von einer Zivilisation, die an ihrem eigenen Unrat erstickt. Sie verwenden spielerisch und überzeugend die klassischen Lyrikformen und sind doch listige und aggressive Zeitkritik. Und sie benutzen dabei eine ganz ähnliche Wahrheitsdroge.

Schwedentrunk. Gedichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1989.


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„Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm. Kalte Füße hat es auch. Das Männlein war ich.“ Malte Patzer bei herbstlichen Waldspaziergang mit Freundin Bérénice, die Start und Sinkflug eines Ahornblatts voraussagt, denn dieser dämliche Fetzen Kompost wird die Welt verändern. Mit dem Fall des Ahorns beginnt Patzers Fall von einem Alptraum in die nächste Katastrophe, immer hinein ins lustige Untergangsszenario, wo sich zum dicken Ende sowieso alle wiederfinden.

Patzer. Roman. Haffmans Verlag, Zürich 1990.


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Willkommen unter der Schädeldecke. Im Vergnügungspark Großhirn. Treten Sie näher. Treten Sie ein. Das Spiegelkabinett der geheimen Wünsche, die Geisterbahn böser Ahnungen, die Raupe des Fortschritts erwarten Sie. Und für die Abgebrühten und Schwindelfreien – Horstmanns „Infernodrom“: Ideenlooping, Sturz aus allen Wolken, gnadenlose Fliehkräfte, doppelter Magenbitter an der Bar jeder Vernunft. Pro Person ein Gedankenlos gratis.

Infernodrom. Programm-Mitschnitte aus 13 Jahren. Igel Verlag, Paderborn 1994.


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GEGENDARSTELLUNG
Unwahr ist, daß die Dinge hier ziemlich weit getrieben werden. Wahr ist vielmehr, daß sie uns unziemlich zu Leibe rücken.

Altstadt mit Skins. Gedichte. Igel Verlag, Paderborn 1995.


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In einem Konservatorium werden Partituren zum Klingen gebracht – Kompositionen ganz unterschiedlicher Länge, Stücke aus den verschiedensten Epochen. Auch Horstmann spielt sich durch die Zeiten und Stile. Seine Geschichten beginnen bei den Sammlern und Jägern und enden jenseits der Zivilisation. Dazwischen wird Homo sapiens laut mit seiner Erkennungsmelodie, den Flötentönen und Abgesängen.

Konservatorium. Geschichten über kurz oder lang. Igel Verlag, Paderborn, 1995.


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„Wir (brauchen) Alptraumwelten, die uns die Hölle heiß machen, und Alptraumtänzer mit luziferischen Choreographien, die uns die Verwirklichung des technisch Machbaren vergällen, weil diese Realisierung nur eine fade Wiederholung, ein stupides Nachstümpern dessen sein kann, was wir längst zwischen Buchdeckeln, in Kinosesseln, hinter Ateliertüren erlebt und gesehen haben. Nur ästhetisch schutzgeimpft haben wir noch eine Chance.“

Beschwörung Schattenreich. Theaterstücke und Hörspiele 1978 bis 1990. Mit einem Essay über die Kunst, zur Hölle zu fahren. Igel Verlag, Paderborn 1996.


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„Das Untier rechnet mit allem ab, nur nicht mit mir. Darin erkenne ich keine Enteignung durch das Lizenzrecht, sondern einen erneuten Beweis seiner Anhänglichkeit.“

Einfallstor. Neue Aphorismen. Igel Verlag, Oldenburg 1998.


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Wenn Nina unter Rotlicht rückfällig wird, die Universitätspräsidentin öffentlich ausliegt und der Musenanruf von einem Callgirl kommt, dann ist Horstmann in seinem frivolen Element. Zu allem leicht Verderblichen hat er den richtigen Draht. Ein Kunstgriff – und die Puppen tanzen.

Göttinnen, leicht verderblich. Gedichte. Igel Verlag, Oldenburg 2000.


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In den Himmel zu kommen ist ein schwieriges Unterfangen. Oft dauert es ein Heiligenleben, bis einer sein sprichwörtliches Kamel durch sein sprichwörtliches Nadelöhr püriert hat. Aber selbst das Passieren einer ganzen Karawane bleibt ein Kinderspiel, verglichen mit dem Aufwand, den eine Reise in Gegenrichtung erfordert. J. Alda Boath ist also nicht zu beneiden.

J. Ein Halbweltroman. Igel Verlag, Oldenburg 2002.


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Horstmanns Gedichte spannen einen weiten Bogen. Sie heben an bei den Göttern, die die Ursuppe satt haben und denen stattdessen nur noch Protoplasma auf die „abspeisungstafel von welt“ kommt. Von hier aus wandert der distanzierende Blick weiter, vorbei an den Mammut-Schlächtern des Pleistozäns, bis hin zu der sich am Fett der Hochzivilisation mästenden Moderne, in der man reihum an- und aufstößt.

Picknick am Schlagfluß. Gedichte. Igel Verlag: Oldenburg 2005.


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„Es gibt die große und die kleine Unsterblichkeit, d.h. die Revokation des Todes durch das Andenken der Nachwelt und sein Unterlaufen über den multiplen Exitus. Totgesagte leben länger ...“ – Ulrich Horstmann (1949-2004) hat bisher drei Bände mit Aphorismen veröffentlicht. „Hoffnungsträger“ ist seine erste posthume Publikation.

Hoffnungsträger. Späte Aphorismen und ein Entlassungspapier aus dem Dreißigjährigen Krieg. Verlag Johannes G. Hoof, Warendorf 2006.


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Ulrich Horstmann, nicht zu verwechseln mit seinem gleichnamigen Erfinder, ist von der Rolle. Verknüpfungswahn, diagnostiziert die Psychiatrie und zieht den Hochschullehrer aus dem akademischen Verkehr. Macht nichts, denn der Zwangspensionär hat anderweitig noch ein Hühnchen zu rupfen, mit seinem Urgroßvater nämlich, der 1887 verwitwet und unter Hinterlassung von vier kleinen Kindern aus der Weltgeschichte verschwunden ist. Die anachronistische Menschenjagd führt nach Südafrika und in den Burenkrieg.

Rückfall. Roman. Verlag Johannes G. Hoof, Münster 2007.


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Zu Lebzeiten (1949-2008) firmierte er als Ulrich Horstmann: Horst-Ulrich Mann, Doppelgänger seiner selbst, schrieb zeitlebens unter einer Tarnkappe. Sein Herausgeber hat sie gelüftet. Damit sehen wir einen literarischen „Kampfschweiger“ Gestalt annehmen, dessen Werk man manches nachsagen kann, nur keine Verwechselbarkeit.

Horst-Ulrich Mann: Kampfschweiger. Gedichte 1977-2007. Shoebox House Verlag, Hamburg 2011.



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